Kommentar zum heutigen Evangelium

Hl. Teresa von Avila (1515-1582), Karmelitin, Kirchenlehrerin
Rufe der Seele zu Gott, 8 (Kösel Verlag Kempten 1938, S. 303f.)

Die Sorgen diese Welt und der trügerische Reichtum ersticken das Wort

O Herr, mein Gott, du hast Worte des Lebens, in denen alle Sterblichen finden könnten, wonach sie verlangen, wenn sie nur suchen wollten! Aber, o mein Herr, was Wunder, wenn wir bei der Torheit und Schwäche, die unsere bösen Werke verursachen, deine Worte vergessen? O Gott […], du Schöpfer alles Geschaffenen! Was ist alles, was du geschaffen, gegen das, was du, o Herr, noch schaffen könntest, wenn du wolltest? Du bist allmächtig, und unbegreiflich sind deine Werke. Lass doch, o Herr, deine Worte mir nie aus dem Sinne kommen!

Du sprichst: „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken!“ (Mt 11,28). Was wollen wir mehr, o Herr? Was begehren wir doch, und was suchen wir? Warum gehen die Weltmenschen verloren? Nur weil sie ihre Ruhe (in den Dingen dieser Erde) suchen. O Gott! […] welch eine Blindheit, dass wir Ruhe in dem suchen, worin sie unmöglich zu finden ist!

Habe Mitleid, o Schöpfer, mit diesen deinen Geschöpfen! Siehe doch, wie wir uns selbst so gar nicht verstehen und nicht wissen, was wir verlangen, und das Rechte nicht treffen in dem, was wir bitten! Verleihe uns Licht, o Herr; denn siehe, wir bedürfen desselben noch mehr als jener Blindgeborene! Dieser hatte doch ein Verlangen, das Licht zu schauen, und er vermochte es nicht; jetzt aber, o Herr, wollen die Menschen nicht sehen. Ach des unheilbaren Übels! Hier, o Herr, muss deine Macht und deine Erbarmung sich zeigen! […] Du sollst jene lieben, die dich nicht lieben; du sollst jenen die Türe öffnen, die dich nicht rufen; du sollst jenen Heilung bringen, die gern krank sind und selbst die Krankheit herbeiführen! Aber du, mein Herr, sprichst ja selber, du seiest gekommen, die Sünder zu suchen (Mt 9,13). Siehe, hier sind die wahren Sünder! O mein Gott! Schaue nicht auf unsere Verblendung, sondern sieh an das viele Blut, das dein Sohn für uns vergossen hat! Lass in einer so großen Bosheit deine Erbarmung hervorleuchten! Sieh, o Herr, wir sind das Werk deiner Hände, darum helfe uns deine Güte und Erbarmung!

Bild: Von David Monniaux – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=129907

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