Christus ins Zentrum stellen, damit Kirchen zusammenwachsen

Kardinal Marx stellt in ökumenischer Pfingstvesper Hoffnung als Verbindung aller Christen heraus

München. Die Hoffnung als Gemeinsamkeit und Verbindung aller Christinnen und Christen stellte Kardinal Reinhard Marx bei einer ökumenischen Vesper im Münchner Liebfrauendom am Abend des Pfingstsonntags, 4. Juni, heraus. Die Hoffnung zeige einen Weg, der über das hinausgehe, was Menschen sich zurechtlegen, berechnen und strategisch planen könnten. „Die Hoffnung ist stärker, das haben wir Christen in diese Gesellschaft mit einzubringen – das können wir gemeinsam tun, nicht getrennt voneinander“, so Marx, der damit die ökumenische Verbundenheit der Kirchen hervorhob. Die ökumenische Vesper zum Pfingstfest feierten der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, und der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, gemeinsam mit dem rumänisch-orthodoxen Bischof Sofian von Kronstadt und weiteren Vertretern der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation.

In einer Dialogpredigt mit Bedford-Strohm sagte Marx mit Bezug auf die ekklesiologische Leitmetapher im ersten Korintherbrief: „Der eine Leib bedeutet wirklich: Wir sind erst dann vollendet und glücklich, wenn der andere mit uns ist. Sonst sind wir verwundet, sonst fehlt etwas.“ Alle Christinnen und Christen müssten gemeinsam die österliche Hoffnung bezeugen. Marx betonte, dass „wir an der sichtbaren Einheit der Gemeinde arbeiten müssen“, hob jedoch hervor, dass die Einheit auch schon sichtbar und nicht nur eine Phantasie sei. Theologisch müsse weiter daran gearbeitet werden, dass sich die Einheit in allen Facetten und von allen nachvollzogen gestalten könne. Marx sagte, es gelte zu erreichen, dass die Verschiedenheiten „uns nicht trennen, sondern uns bereichern“.

Die Hoffnung, die im Geist geschenkt sei, gehe über menschliche Grenzen hinaus, so Marx. Revolutionär sei der Satz des Paulus im Epheserbrief, dass Gott der Gott und Vater aller sei: „Nicht unser Gott, nicht mein Gott, den ich gegen den anderen stellen kann, sondern der Gott und Vater aller Menschen. Nicht nur der Christen, auch über die Konfessionen, über die christlichen Kirchen hinaus.“ Das gehöre für ihn zu den Kernsätzen der Bibel, sagte der Erzbischof von München und Freising. „Als Christen haben wir das nicht immer gesehen, zuweilen sogar verraten“, bekannte er. Gott sei nicht für eine Konfession, eine Stadt, eine Nation oder eine Kultur da, sondern wolle grundsätzlich alle in den Blick nehmen und allen Menschen Hoffnung geben.

Marx zeigte sich überzeugt, dass die Einheit der Christen dann zu finden sei, wenn sie ihre Sendung lebten, nicht um sich selbst kreisten, sondern die Hoffnung in die Welt trügen. „Wenn wir den Weg gehen, im Heiligen Geist der ganzen Welt Christus zu verkünden, dann werden wir auch immer enger zusammenwachsen. Je mehr wir Christus ins Zentrum stellen, umso mehr wird auch das Zusammenwachsen der Kirchen möglich sein“, so der Kardinal. Es gehe nicht darum zu fragen, wer recht habe, sondern darum zu fragen, wie man gemeinsam das voranbringen könne, was das Evangelium auftrage.

Zu Beginn des Gottesdienstes hatte Kardinal Marx mit Bezug auf den Terrorakt vom Vorabend in London gesagt, Mord, Terror und Gewalt hätten nicht das letzte Wort. Dagegen stehe die christliche Hoffnung. Die Vesper, das Abendgebet, ist Teil des Stundengebetes, das sowohl in der katholischen als auch in der evangelisch-lutherischen Kirche gepflegt wird. Im Rahmen der Vesper werden in der Regel mehrere Psalmen gebetet, eine Schriftlesung und Fürbitten vorgetragen sowie das Vater unser und das Magnificat, der Lobgesang Mariens, gebetet. (glx)

 

Ein Gedanke zu “Christus ins Zentrum stellen, damit Kirchen zusammenwachsen

  1. Ich bin mir nicht sicher ob wir das brauchen. Ist es nicht wertvoller zu bewahren was wir haben und uns nicht den Protestanten in ihren Saatskirchen anwanzen sollten …?1

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